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Internationaler Tag der MigrantInnen:
Weg aus der Wirtschaftskrise führt über geregelte Migration

Wien / Genf, 18. Dezember 2008. William Lacy Swing, Generaldirektor der Internationalen Organisation für Migration (IOM), weist am heutigen Internationalen Tag der MigrantInnen auf die Gefahren politischer Kurzschlußhandlungen angesichts der Weltwirtschaftskrise hin: "Obwohl wir erst am Beginn der Wirtschaftskrise stehen und ihr volles Ausmaß heute noch nicht absehbar ist, wäre es kontraproduktiv, wenn die Regierungen in den Zielländern jetzt den MigrantInnen ihre Tore verschließen wollten. Viele von ihnen werden gerade jetzt dringend für Tätigkeiten gebraucht, die die EinwohnerInnen der industrialisierten Länder nicht ausüben können oder wollen."

Demographische Prognosen unterstreichen den strukturellen Bedarf an MigrantInnen: Sinkende Geburtsraten in den Industrieländern und eine alternde Arbeitbevölkerung werden die Wirtschaft in Zukunft mit einem eklatanten Arbeitskräftemangel belasten. Wie der vor Kurzem veröffentlichte World Migration Report 2008 feststellt, wird in den Industrieländern die Anzahl der Menschen über 60 im Jahr 2050 doppelt so hoch sein wie die der Kinder. Migration ist damit nicht nur das menschliche Gesicht, sondern auch Dreh- und Angelpunkt von Globalisierung und Wirtschaftswachstum.

Verschlossene Grenzen erhöhen Risiko der Ausbeutung

"Wenn ihnen der offizielle Zugang versperrt wird, werden MigrantInnen gezwungen, sich Menschenschmugglern oder -händlern auszuliefern und Ausbeutung, Missbrauch und sogar lebensbedrohende Situationen auf sich zu nehmen, um in die Aufnahmeländer zu kommen. Dadurch vergrößert sich allerdings auch das Risiko der sozialen Ausgrenzung und der Fremdenfeindlichkeit in den Aufnahmeländern, weil oft der Mythos aufrecht erhalten wird, dass MigrantInnen Arbeitsplätze wegnehmen", warnt Swing.

Die Wirtschaftskrise dürfe keinesfalls dazu missbraucht werden, MigrantInnen im informellen Sektor auszubeuten, in dem Gehälter gesenkt oder nicht ausbezahlt werden – Missbrauchsformen, denen insbesondere MigrantInnen ohne Papiere regelmäßig ausgesetzt sind.

Armutsbekämpfung gefährdet

Auch auf eine weitere große Gefahr macht die IOM aufmerksam: Viele MigrantInnen unterstützen mit einem Teil ihres Einkommens ihre zu Hause verbliebenen Familien. Diese Rücküberweisungen werden im Herkunftsland dringend benötigt, um Grundbedürfnisse wie Nahrung, Wohnen, Gesundheit und Bildung zu befriedigen. Durch die Auswirkungen der Wirtschaftskrise nehmen auch die Rücküberweisungen ab, und Familien auf der ganzen Welt leiden unter zunehmender Armut. Viele von ihnen sehen einer ungewissen Zukunft entgegen.

Mittlerweile übersteigen die bisher jährlich zunehmenden Rücküberweisungen in die Entwicklungsländer die offizielle Entwicklungshilfe bei weitem. Eine Abschottungsstrategie der Industrieländer würde sich auf diese Art der Armutsbekämpfung besonders negativ auswirken. Bereits in den vergangen Wochen wurden die Rücküberweisungen drastisch gedrosselt, insbesondere im Afrika südlich der Sahara, wo sie am dringendsten benötigt werden. Laut Schützungen der Weltbank wird es 2009 deutlich weniger Rücküberweisungen in die Entwicklungsländer geben als die für 2008 prognostizierten US$ 283 Milliarden.

"Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, dass die Mittel für die Offizielle Entwicklungszusammenarbeit nicht gekürzt werden", so Swing. "Sonst werden Armuts- und Entwicklungsgefälle durch die Wirtschaftskrise weiter verschärft. Wenn das passiert, wird der Druck auf Menschen, mit allen erdenklichen Mitteln zu migrieren, nur noch größer."

Gleichzeitig tragen die Herkunftsländer eine große Verantwortung dafür, ihre BürgerInnen ausreichend über die Realität von regulärer und irregulärer Migration zu informieren, und mit den Aufnahmeländern und -gesellschaften eng zusammenzuarbeiten, damit Migration eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten ist.

"Wir dürfen aus der Wirtschaftskrise keine MigrantInnenkrise machen. Wenn wir uns ins Bewusstsein rufen, dass MigrantInnen ein Teil der Lösung sowohl für Herkunfts- also auch für Aufnahmeländer sind, werden wir die Krise besser bewältigten können", so Swing abschließend.

IOM - Internationale Organisation für Migration

Die Internationale Organisation für Migration (IOM), die im Jahr 1951 gegründet wurde, ist eine auf dem Gebiet der Migration weltweit aktive zwischenstaatliche Organisation mit Hauptsitz in Genf.

Mit Büros und Programmen auf der ganzen Welt arbeitet IOM mit internationalen, nationalen und lokalen Partnern in unterschiedlichen migrationsrelevanten Bereichen. Das Prinzip der IOM ist die geordnete Migration zum Wohle von MigrantInnen und Gesellschaft.

Gegenwärtig gehören IOM 125 Mitgliedsstaaten an; weitere 16 Staaten und 74 globale und regionale Internationale und Nichtregierungsorganisationen haben Beobachterstatus bei IOM. In über 420 lokalen Büros werden mehr als 1.770 Projekte im Migrationsbereich implementiert. Österreich ist der Organisation im Jahr 1952 beigetreten; seither ist IOM auch in Österreich ansässig.

Zu den Aufgaben der IOM Wien als Verbindungsbüro gehört die Koordinierung des Dialogs mit den IOM Mitgliedsstaaten, den in Wien ansässigen internationalen und regionalen Organisationen sowie den EU-Agenturen und der Österreichischen Bundesregierung.

Rückfragehinweis:

Mag. Andrea Götzelmann
Internationale Organisation für Migration Wien
Tel: 01/ 585 33 22 14
E-Mail: agoetzelmann@iom.int

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